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Prag verdient ein paar Tage für sich allein – aber wenn du etwas mehr Zeit hast, wäre es schade, nicht auch die Umgebung zu erkunden. Die besten Tagesausflüge von Prag mit dem Zug kommen ohne Auto und ohne gebuchte Tour aus: einfach einsteigen und losfahren – für Geschichte, gutes Essen, Kaffee, Bier und Kultur. Alle Ziele unten sind in unter 90 Minuten erreichbar, werden von komfortablen klimatisierten Expresszügen angefahren, und du kannst zurückfahren, wann es dir passt.
Wir haben sieben tschechische Städte ausgewählt, die von Prag aus in unter 90 Minuten zu erreichen sind – jede bietet einen vollen Tag voller Sehenswürdigkeiten: eine historische Altstadt, Museen oder Galerien und gute Restaurants. Wir beginnen mit den zwei Zielen, die sich besonders für einen ersten Besuch in Tschechien eignen, und listen den Rest nach Reisezeit geordnet auf.
Die Ticketpreise für alle sieben Ziele liegen in der zweiten Klasse bei etwa 4 bis 8 € einfache Fahrt. Kaufe die Tickets immer online, am besten einige Tage im Voraus – bis 15 Minuten vor Abfahrt ist eine kostenlose Stornierung möglich.
Alle Städte auf dieser Liste lassen sich bestens zu Fuß erkunden; weder ein Auto noch eine Führung sind nötig. Wie tschechische Züge funktionieren – Anbieter, Tickets, Sitzplatzreservierungen und Verspätungen – wird in einem eigenen Abschnitt weiter unten erklärt.
1. Kutná Hora – Silber, UNESCO und die Sedlec Ossuary (Knochenkirche)
Kutná Hora zählt zu den beliebtesten Tagesausflügen von Prag – und das zu Recht. Nicht nur wegen seiner UNESCO-Denkmäler und der wunderschönen historischen Altstadt, sondern auch wegen des hervorragenden Kaffees und Essens.
Der Expresszug Vysočina erreicht den Hauptbahnhof von Kutná Hora in 51 Minuten – aber Achtung: Der Bahnhof liegt rund 3 Kilometer vom historischen Zentrum entfernt. Ein Anschlusszug fährt weiter zum Bahnhof Kutná Hora město, sodass die Gesamtreisezeit etwa eine Stunde und zehn Minuten beträgt.
Die weltberühmte Sedlec Ossuary (Knochenkirche) liegt direkt neben dem Hauptbahnhof – es macht daher Sinn, dort zu beginnen: erst die Kirche besuchen, dann ins Zentrum weitergehen.

Im Zentrum solltest du auf keinen Fall die Kathedrale der Heiligen Barbara verpassen – eines der schönsten gotischen Bauwerke des Landes und Kernstück des UNESCO-Welterbes. Dazu lohnen sich der Wälsche Hof, wo einst der Prager Groschen geprägt wurde, sowie das Tschechische Silbermuseum mit einer Tour durch eine mittelalterliche Mine.
Die GASK-Galerie im Jesuitenkolleg direkt neben der Kathedrale ist ebenfalls einen Besuch wert – ebenso das Kafírnictví-Café im Inneren.

Wir haben die Stadt ausführlich in einem eigenen Reiseführer beschrieben – lies unseren vollständigen Überblick über Sehenswürdigkeiten in Kutná Hora, inklusive Öffnungszeiten und empfohlener Besichtigungsreihenfolge.
Wo du in Kutná Hora einen guten Kaffee bekommst:
- Turistka – wunderschönes Café im Jesuitenkolleg
- Fikafe – absolut großartige Backwaren, toller Kaffee, herzlich freundliches Personal
- Skleník – ein schöner Raum mit Blick auf den Garten des Jesuitenkollegs und die Kathedrale der Heiligen Barbara
- Coffeehood – charmantes kleines Café in Sedlec, ebenfalls mit hervorragenden Backwaren und einem tollen Brunch
Wo du in Kutná Hora essen kannst:
- Okno U Hrádku – solides Bistro an der Barborská-Straße
- Restaurace V Ruthardce – ehrliche tschechische Küche; die beste Adresse in der Stadt für Svíčková oder Gulasch
- Čtyři sestry – einladendes Restaurant mit moderner Küche
- Chleby jako v nebi – in erster Linie eine Bäckerei, aber das Frühstück ist schlichtweg außergewöhnlich
Kutná Hora ist das meistbesuchte Ziel auf dieser Liste. Wenn möglich, fahre unter der Woche und nimm einen frühen Zug – vor zehn Uhr morgens hast du die Knochenkirche und die Kathedrale fast für dich allein. Ab elf Uhr rollen die Reisebusse aus Prag an. Mit dem Zug kommst du genauso schnell hin – und für einen Bruchteil des Preises einer organisierten Tour.
2. Plzeň – Bier, unterirdische Tunnel, eine Synagoge und der höchste Kirchturm Tschechiens
Der Západní expres bewältigt die Strecke Prag–Plzeň in rund 1 Stunde 20 Minuten und fährt stündlich. Vom Hauptbahnhof Plzeň sind es etwa 10 Minuten zu Fuß bis zum zentralen náměstí Republiky (Platz der Republik).
Plzeň bietet von allen Zielen auf dieser Liste vielleicht die meisten Möglichkeiten – selbst wenn Bier das Letzte ist, woran du denkst. Den Platz der Republik überragt die Kathedrale St. Bartholomäus mit einem Turm von 102 Metern – dem höchsten Kirchturm Tschechiens. Die Aussichtsplattform liegt auf 62 Metern und ist über 299 Stufen zu erreichen; an klaren Tagen sieht man den Böhmerwald und die Brdský les, bei besonders guter Sicht sogar die Alpen.

Das zweite Highlight der Stadt ist die wunderschön restaurierte Große Synagoge, erbaut zwischen 1888 und 1892 – die zweitgrößte Synagoge Europas. Ihre neuromanische Architektur mit maurischen Details wirkt, als wäre sie aus einer völlig anderen Welt hierher versetzt worden.

Was du dir auf jeden Fall einplanen solltest:
- Historisches Untergrund Plzeň – die Tunnel unter der gesamten Altstadt sind zusammen fast 14 Kilometer lang; die Führung umfasst 800 Meter. Eine Tour dauert etwa eine Stunde, der Eintritt kostet rund 8 € für Erwachsene und 6 € für Kinder. Geöffnet das ganze Jahr außer Januar, täglich 10:00–17:00 Uhr.
- Pilsner Urquell Brauerei – eine hervorragend aufbereitete interaktive Tour durch die weltberühmte Brauerei, inklusive der historischen Lagerkeller und einer Verkostung von unpasteurisiertem Bier direkt vom Fass. Plane dir gut drei Stunden ein.
- Techmania Science Center – wenn du mit Kindern ab 4 Jahren unterwegs bist, ist das wohl das beste Familienprogramm auf der gesamten Liste.
Es ist leicht, Plzeň zu überladen: Brauerei, Untergrund und Kirchturm passen nicht alle an einem Tag hinein – besonders wenn man auch noch zu Mittag essen und Zeit auf dem Platz verbringen möchte. Wähle zwei Highlights und heb dir den Rest für ein nächstes Mal auf.
Oder übernachte einfach – das macht hier wirklich Sinn, schon allein wegen des vielfältigen Kulturangebots: Theater, Live-Musik und verschiedene interaktive Ausstellungen, darunter im DEPO 2015, das im Jahr eröffnete, als Plzeň den Titel Europäische Kulturhauptstadt trug.
Wo du in Plzeň einen guten Kaffee bekommst:
- Le Frenchie Náměstí – Café direkt am Platz der Republik
- Le Frenchie café – zweite Filiale, wenige Minuten vom Platz entfernt
- The Fresh Bar – gleich neben dem Platz der Republik
- Chromá liška – Café in der Altstadt
- Walter Mitty – Bäckerei und Café, ein toller Brunch-Stopp
- Dream Up Coffee – Café am Rand der Innenstadt
Die meisten Restaurants in Plzeň setzen stark auf die Bierkneipen-Tradition. Für leichteres Essen sind Bistros und Cafés die bessere Wahl.
Wo du in Plzeň essen kannst:
- Birkstro – Bistro unter einer Birke, mitten im Zentrum
- Restaurace U Salzmannů – traditionelle Plzeňer Gaststätte gleich neben dem Platz
- Rango restaurace – Restaurant in der Altstadt
- fred bistro – Bistro wenige Minuten vom Platz entfernt
- Parkan – Restaurant an der historischen Stadtmauer
- Pivstro – Bierbistro nahe dem Zentrum
- Da Pietro Grill – italienische Küche und Grill in Zentrumsnähe
- Hospoda Na Spilce – Restaurant direkt in der Brauerei; ausgezeichnete tschechische Küche zu überraschend günstigen Preisen
Unterkünfte in Plzeň durchsuchen
3. Poděbrady – Kurpark in 46 Minuten von Prag
Poděbrady ist das nahegelegenste Ziel auf unserer Liste – und gleichzeitig das entspannteste. Der Expresszug Krakonoš in Richtung Hradec Králové bringt dich vom Prager Hauptbahnhof in gerade einmal 46 Minuten nach Poděbrady; der Bahnhof liegt direkt am Rand des Kurparks. Durch den Park spazierst du dann weiter zum Schloss und in die historische Altstadt.

Die Kurgeschichte der Stadt begann durch Zufall. Im Jahr 1905 bohrten Arbeiter auf der Suche nach Trinkwasser ein 96 Meter tiefes Loch – und statt normalem Wasser stießen sie auf Mineralwasser. Analysen bestätigten die therapeutischen Eigenschaften, und bereits 1908 begann die erste Kursaison in Poděbrady. Von Anfang an hat sich das Kurwesen auf Herz- und Kreislauferkrankungen spezialisiert – bis heute.
Was du erkunden kannst:
- Die Kurkolonnade (1938) – du kannst ein Glas füllen und das Mineralwasser direkt aus der Quelle kosten.
- Schloss Poděbrady – der Überlieferung nach wurde hier 1420 Georg von Podiebrad (tschech. Jiří z Poděbrad) geboren – der einzige tschechische König nicht-königlicher Abstammung und Urheber eines der frühesten europäischen Vorschläge für einen friedlichen Staatenbund. Im Schlosshof entspringt die erste Mineralquelle.
- Historisches Zentrum – der Jiřího náměstí (Georg-Platz) vor dem Schloss lässt sich in wenigen Minuten umrunden.
- Elbe-Uferpromenade – flach, schattig und lang; ideal für einen gemütlichen Spaziergang.
- Der See am Stadtrand – im Sommer ein toller Badeort.

Poděbrady eignet sich auch gut als halber Tagesausflug. Es ist eine ausgezeichnete Wahl mit Kleinkindern oder Kinderwagen – alles ist flach und liegt nah beieinander.
Wo du in Poděbrady einen guten Kaffee bekommst:
- Kafíčko – kleines Café direkt am Georg-Platz
- Café Ritual – Café mitten im Zentrum, ein guter Stopp auf dem Weg vom Schloss
- Amáres coffee – eigene Rösterei; die erste Adresse für Specialty Coffee
Wo du in Poděbrady essen kannst:
- Mlejn bistro & bar – Bistro und Bar direkt im Zentrum
- Pár Soust – Bistro gleich neben dem Georg-Platz
- Cucina – italienische Küche, etwa fünf Minuten zu Fuß vom Zentrum
- Café Oliver – Café mit vollständiger Speisekarte, etwas außerhalb des Zentrums
4. Pardubice – Lebkuchen, ein Renaissanceschloss und die Automatické mlýny
Die Zugverbindung von Prag nach Pardubice ist die unkomplizierteste von allen – Züge fahren ständig. Expresszüge brauchen etwa eine Stunde; vom Bahnhof aus sind es unter 20 Minuten zu Fuß, 10 Minuten mit dem Fahrrad oder zwei Stationen mit dem Oberleitungsbus bis ins Zentrum.
Pardubice hat ein wunderschön erhaltenes Renaissancezentrum und ein Schloss, die es mit weit bekannteren Zielen aufnehmen können – und doch macht hier kaum jemand einen Tagesausflug. Das ist wirklich schade. Abseits der Geschichte warten erstklassiges Essen, eine lebendige Kulturszene, Parks und das einzigartige Industriedenkmal der Automatické mlýny (Automatische Mühlen).
Das Herzstück der Stadt ist der Pernštýn-Platz, umgeben von Renaissance- und Barockarkaden-Bürgerhäusern. Das faszinierendste davon ist das Haus des Jona, das Spuren mehrerer über Jahrhunderte übereinandergelegter Baustile trägt. Wenige Schritte entfernt steht das Grüne Tor – ein Überrest der Pernštejn-Befestigungsanlagen – mit einem Turm von 59 Metern Höhe und 154 Stufen zur Aussichtsplattform.

Unbedingt ansehen:
- Schloss Pardubice – der Renaissancesitz der Familie Pernštejn, heute Heimat des Ostböhmischen Museums und der Ostböhmischen Galerie. Allein das Spazierengehen auf den beeindruckenden Erdwällen rund um das Schloss ist kostenlos und lohnt sich auch ohne Innenbesichtigung.
- Historisches Zentrum – nicht nur der Platz selbst, sondern auch die umliegenden Gassen und Durchgänge.
- Automatické mlýny – ein liebevoll restauriertes Industriedenkmal, das heute eine Galerie und ein Café beherbergt.
- Pardubitzer Lebkuchen – eine lokale Spezialität, die sich auch hervorragend als Mitbringsel eignet.
- Kunětická hora – eine majestätische Burgruine auf einem der flachsten Hügel Tschechiens.
- Rennbahn – Pferderennen in Pardubice haben eine Geschichte, die bis ins Jahr 1856 zurückreicht; das Velká pardubická-Hindernisrennen wurde erstmals 1874 ausgetragen. Es zählt zu den anspruchsvollsten Hindernisrennen Europas und wird oft mit dem britischen Grand National verglichen. Das Rennen findet im Herbst statt, das Gelände ist aber das ganze Jahr zugänglich.
Wo du in Pardubice essen kannst:
- Bistro100 Pardubice – Bistro direkt im Zentrum
- La Tāble Pardubice – Restaurant wenige Minuten vom Pernštýn-Platz
- El Patio Pardubice – Restaurant gleich neben der Altstadt
- Restaurace nejen DVOREK – Restaurant wenige Minuten vom Zentrum
- Galerie Café park restaurant – Restaurant und Café in einem, direkt neben dem Schloss
- Tommy’s Dine&Wine – Restaurant mit hervorragender Weinkarte, etwa zehn Minuten zu Fuß vom Zentrum
Wo du in Pardubice einen guten Kaffee bekommst:
- Bakla café – Café direkt neben dem Pernštýn-Platz
- Pekárna Trouba – Bäckerei direkt am Platz; ideal für ein Frühstück gleich nach der Ankunft
- Cafe Bajer „In the yard“ – Café in einem Innenhof, wenige Minuten vom Platz
- KAVÁRNA NOTA – Café wenige Minuten vom Zentrum
- Café Gočár – Café gleich neben dem Platz
- Epeé cafe – Café am Rand der Altstadt
- Putovní pražírna Pardubice – Rösterei etwa einen Kilometer vom Zentrum; für Kaffeeliebhaber den Umweg wert
Pardubice lässt sich am besten mit dem Fahrrad erkunden. Ab Herbst 2026 soll die Stadt ihr Bike-Sharing-System neu auflegen, das auch mit dem öffentlichen Nahverkehr verknüpft sein wird.
5. Tábor – Hussitenstadt mit Spaziergängen an der Lužnice
Der Jižní expres erreicht Tábor in genau einer Stunde. Das historische Zentrum ist etwa 15 Minuten zu Fuß vom Bahnhof entfernt – und es lohnt sich, sich Zeit zu lassen. Einfach umherschlendern ohne festes Programm ist ein großer Teil des Reizes. Tábor ist die einzige tschechische Stadt, deren verschlungenes Zentrum während der Hussitenkriege absichtlich als Defensivfalle angelegt wurde. Die Hussiten waren tschechische Reformatoren, die der europäischen Reformation um ein Jahrhundert vorausgingen – in den 1420er Jahren gründeten sie Tábor als ihre eigene befestigte Stadt.
Die Straßen winden sich absichtlich und enden in Sackgassen, um Angreifer zu desorientieren – und sie sind genauso effektiv bei Touristen mit Handy in der Hand. Unter diesem Labyrinth verläuft ein Netz aus mittelalterlichen Untergrundgängen, die die Stadtbewohner über die Jahrhunderte als Vorratskeller ausgehoben haben.

Die wichtigsten Anlaufstellen:
- Žižka-Platz mit dem Alten Rathaus – dort findest du die Hussiten-Ausstellung, eine gotische Halle und den Eingang zum mittelalterlichen Untergrund.
- Kotnov-Turm und das Bechyně-Tor – der Aussichtspunkt ist 25 Meter hoch und über 155 Stufen erreichbar.
- Stadtmauern und Verteidigungsbastionen – Tábor hat einen größeren Teil seiner ursprünglichen Befestigungsanlagen erhalten als die meisten tschechischen Städte.
- Das ehemalige Augustinerkloster.
- Jordan-Stausee – der älteste Talsperrenstausee Mitteleuropas, entstanden 1492 durch die Aufstauung eines Baches. Er bedeckt rund 50 Hektar und ist bis zu 14 Meter tief. Im Sommer ist Baden hier sehr beliebt.
Tipp: Prüfe die Öffnungszeiten immer nach Monat – Tábor ändert seinen Zeitplan dreimal im Jahr.
Wir empfehlen außerdem den Spaziergang zur Wallfahrtskirche Klokoty und weiter auf dem grünen Wanderweg bis zur Brücke U Harrachovky, dann zurück in die Stadt entlang des Flusses. Die gesamte Runde ist in entspanntem Tempo in drei Stunden gut zu schaffen.
Wo du in Tábor einen guten Kaffee bekommst:
- Obývák coffee & cocktail bar – Café und Cocktailbar gleich neben dem Žižka-Platz
- Kávová Zastávka – Café wenige Minuten vom Zentrum
- Café Svět – Café am Rand der Altstadt
Wo du in Tábor essen kannst:
- Výkvět bistro – Bistro direkt am Žižka-Platz
- Bistro Pražská – Bistro wenige Schritte vom Zentrum
- Mercado de Mexico – mexikanisches Essen gleich neben dem Platz
- RAFARIZ noodle house – asiatische Nudelgerichte in Zentrumsnähe
- MACE restaurant – Restaurant etwa zehn Minuten zu Fuß vom Zentrum
- MY Bistro – Bistro etwas weiter draußen, etwa fünfzehn Minuten zu Fuß
6. Litoměřice – Weinberge, der Domberg und das Böhmische Mittelgebirge
Litoměřice ist das einzige Ziel auf unserer Liste, das keinen Direktzug hat. Du steigst immer um – entweder in Lovosice vom Labe-Express in einen Regionalzug nach Litoměřice horní nádraží, oder in Všetaty mit Ankunft in Litoměřice město. Die Gesamtreisezeit beträgt rund 85 Minuten.
Die Belohnung ist eine Stadt, die nichts mit dem Rest Böhmens gemein hat. Sie liegt im Böhmischen Mittelgebirge an der Mündung der Eger (Ohře) in die Elbe, umgeben von Weinbergen, mit dem Domberg, der sich über das Zentrum erhebt – ein rund sechs Hektar großes Plateau, auf dem eine Přemyslidenburg bereits seit 1096 schriftlich belegt ist.

Was du nicht verpassen solltest:
- Das Kelchhaus (Dům Kalich) am Hauptplatz – nicht zu übersehen, mit dem Kelch auf dem Dach. Es wurde von der Familie Mráz von Milešovka in Auftrag gegeben, den reichsten Bürgern der Stadt im 16. Jahrhundert.
- Aussichtsturm des Doms St. Stephan – der Turm ist 65 Meter hoch, seit 2010 öffentlich zugänglich und über rund 200 Stufen zu erklimmen. Der Blick reicht bis zu den Hügeln Radobýl, Lovoš, der Burg Hazmburk und dem Berg Říp.
- Gedenkzimmer Karel Hynek Máchas – Tschechiens größter Romantikdichter, der in etwa mit Byron oder Puschkin vergleichbar ist, starb hier 1836 mit nur fünfundzwanzig Jahren. Das Haus steht direkt gegenüber dem Dom.
- Litoměřicer Untergrund – ein Netz aus Kellern und Gängen, das die Stadtbewohner ab dem 13. und 14. Jahrhundert anlegten; eines der umfangreichsten in Böhmen.

Litoměřice lässt sich mit einem Besuch in Terezín kombinieren, das nur wenige Kilometer über die Elbe liegt – bedenke aber, dass die Gedenkstätte Theresienstadt allein einen halben Tag beansprucht und durch ihre dunkle Geschichte eine völlig andere Atmosphäre hat. Für viele Besucher kann es zu viel sein, beides an einem einzigen Tag zu verbinden.
Wir haben einen vollständigen Tipp-Guide – inklusive Weingütern – in unserem eigenen Reiseführer zusammengestellt. Schau dir an, was es in Litoměřice zu sehen gibt.
Wo du in Litoměřice einen guten Kaffee bekommst:
- kafe doma – Café direkt am Mírové náměstí (Friedensplatz)
- Kávovna Litoměřice – Café wenige Schritte vom Platz
- fair coffee – Café in Zentrumsnähe
- Coffee with steam – Café in Zentrumsnähe
- Kavárna Hlína – Café etwa fünf Minuten vom Platz
Wo du in Litoměřice essen kannst:
- Mercato 33 – italienische Küche gleich neben dem Platz
- Bistro Rezavá – Bistro wenige Minuten vom Zentrum
- NO.1 – authentisches vietnamesisches Restaurant in Platznähe
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7. Hradec Králové – der Salon der Republik am Zusammenfluss zweier Flüsse
Hradec Králové ist das weiteste Ziel auf unserer Liste – der Expresszug Krakonoš braucht 1 Stunde 36 Minuten, fährt aber ohne Umsteigen und zu einem sehr günstigen Preis. Derselbe Zug hält auch in Poděbrady, sodass du beide Ziele an einem einzigen Ausflug kombinieren kannst.
Hradec Králové ist die architektonisch interessanteste Stadt in dieser Auswahl – und die meisten Besucher wissen das gar nicht. Den Spitznamen „Salon der Republik“ verdient sie dem, was hier in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geschah: Architekt Josef Gočár erarbeitete zwischen 1926 und 1928 auf Bitten von Bürgermeister František Ulrich einen städtebaulichen Masterplan, der das Gesicht der Stadt für Jahrzehnte prägte. Noch vor ihm hatte sein Mentor Jan Kotěra hier bereits bedeutende Bauten hinterlassen. Durch Hradec Králové zu schlendern bedeutet, durch ein im Wesentlichen einheitliches Stadtprojekt zu gehen – kein zufälliges Nebeneinander von Gebäuden.

Ein guter Tagesplan:
- Velké náměstí (Großer Platz) mit dem Dom des Heiligen Geistes – das gotische Herz der Stadt auf einer Anhöhe, das alle späteren Umbauten überstanden hat.
- Weißer Turm – 72 Meter, 226 Stufen und der beste Panoramablick auf die Stadt und die umliegenden Ebenen.
- Museum Ostböhmens – Kotěras Bau am Flussufer, der schon von außen sehenswert ist.
- Zusammenfluss von Elbe und Adler (Orlice) – ein Spaziergang entlang der zwei Flüsse ist die entspannteste Art, Hradec Králové zu genießen.

Der Hauptbahnhof liegt hier weiter vom Zentrum entfernt als bei den anderen Städten – plane 20 Minuten zu Fuß ein oder nimm den Oberleitungsbus.
Wo du in Hradec Králové einen guten Kaffee bekommst:
- Cona coffee – Café direkt am Großen Platz
- Fika Espresso Bar – Espressobar wenige Schritte vom Platz
- CHROAST Espresso Bar „Kopeček“ – Espressobar in Zentrumsnähe
- Café Na kole – Café gleich neben dem Großen Platz
- Simple Café – Café wenige Minuten vom Zentrum
- Rodinná kavárna Baví mě to – Familiencafé etwa einen Kilometer vom Zentrum; eine gute Option mit Kindern
Wo du in Hradec Králové essen kannst:
- CUPBAB Korean Bistro – koreanisches Bistro direkt am Großen Platz
- Pasta Cook&Look – frische Pasta in Platznähe
- Šatlava – Restaurant in der Altstadt
- Restaurace U Koně – Restaurant wenige Schritte vom Großen Platz
- Kasumi Asian Fusion Restaurant – asiatische Fusionsküche in Zentrumsnähe
- Ca Phe District HK – vietnamesisches Essen wenige Minuten vom Zentrum
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Schnellübersicht: Reisezeiten und Ticketpreise (2026)
Die Zeiten gelten für morgendliche Abfahrten vom Prager Hauptbahnhof an einem normalen Wochentag; die Preise sind für nicht flexible Tickets in der zweiten Klasse mit den Tschechischen Bahnen. Der genaue Preis hängt davon ab, wie weit im Voraus du buchst.
| Stadt | Reisezeit | Umsteigen erforderlich | Preis ab |
|---|---|---|---|
| Kutná Hora | 51 Min. bis Hauptbahnhof, 1:09 bis Zentrum | Ja (bis ins Zentrum) | ~€7 |
| Plzeň | 1:23 | Nein | ~€6 |
| Poděbrady | 46 Min. | Nein | ~€5 |
| Pardubice | 57 Min. – 1:01 | Nein | ~€8 |
| Tábor | 1:00 | Nein | ~€6 |
| Litoměřice | 1:25 | Ja | ~€4 |
| Hradec Králové | 1:36 | Nein | ~€5,50 |
Züge in Tschechien: Was du vor der Fahrt wissen solltest
Mit dem Zug in Tschechien zu reisen ist einfacher, als die meisten Besucher erwarten. Alle wichtigen Strecken werden von sauberen, modernen, klimatisierten Zügen bedient, die meist im Stundentakt fahren – du musst deinen Tag also nicht um eine einzige Verbindung herum planen. Ein paar Dinge solltest du aber im Voraus wissen.
Auf manchen Strecken fahren mehrere Anbieter. Das betrifft vor allem den Korridor Prag–Pardubice und bald auch Prag–Plzeň sowie Prag–Kutná Hora; auf dem restlichen Netz wird es noch eine Weile bei einem einzigen Anbieter bleiben. Jeder Anbieter verkauft seine eigenen Tickets, die nur in seinen eigenen Zügen gültig sind. Es gibt ein universelles One Ticket, das bei allen Anbietern gilt, aber es ist in der Regel deutlich teurer – wenn du nicht zwischen Anbietern wechseln musst, gibt es keinen Grund, es zu nutzen.
Kaufe Tickets online über die Website oder App des Anbieters. Im Zug zeigst du einfach einen QR-Code und deinen Ausweis – keine gedruckten Tickets, kein Automat am Bahnhof nötig. Die App ist auch deine schnellste Quelle für aktuelle Verspätungsinfos; Bahnhofsansagen sind oft ungenauer und kommen später.
Rechne nicht damit, dass alle Mitarbeiter Englisch sprechen. Internationale Züge sind kein Problem, aber im Nahverkehr ist das nicht garantiert. Bei Störungen verlass dich auf die App und die Website des Anbieters – und scheue dich nicht, Mitreisende zu fragen. Jüngere Tschechen sprechen in der Regel gut Englisch und helfen gerne.
Reserviere einen Sitzplatz. Auf der Strecke Prag–Pardubice ist bei manchen Zügen eine Reservierung Pflicht; auf anderen Strecken ist sie dennoch dringend empfohlen. Beim Online- oder App-Kauf ist die Reservierung bei allen Anbietern kostenlos inbegriffen – also kein Grund, darauf zu verzichten.
Verspätungen. Unter normalen Bedingungen fahren die Züge einigermaßen pünktlich – rechne mit Verspätungen von bis zu 10 Minuten. In Ausnahmefällen – am häufigsten durch Wetter oder Zwischenfälle an der Strecke (ungefähr einmal im Monat) – können Verspätungen auf dem Korridor Prag–Pardubice auf eine Stunde oder mehr anwachsen, manchmal mit Umleitungen. Wenn das passiert, frag Mitreisende – die geben dir meist den hilfreichsten Rat.
Vergünstigte Tickets sind an eine bestimmte Fahrt gebunden, bei Störungen ist es aber allgemein akzeptiert, den nächsten verfügbaren Zug desselben Anbieters zu nehmen – du musst nicht auf deinen verspäteten Zug warten. Frag beim Einsteigen kurz den Schaffner; bei Verspätungen über einer Stunde wird das ohne Weiteres geregelt.
Für mehr Komfort und eine ruhigere Fahrt, steige in die erste Klasse um. Die Preise sind rund 30–50 % höher, was auf diesen Strecken durchaus lohnenswert sein kann. Eine Sitzplatzreservierung brauchst du aber trotzdem.
So holst du das Meiste aus deinem Tagesausflug heraus
Tagesausflüge mit dem Zug haben eine gemeinsame Schwachstelle: die Rückfahrt. Die meisten denken erst daran, wenn sie bereits vor Ort sind, und warten dann unnötig am Bahnhof oder hetzen früher als gewollt aus der Stadt. Ein paar Tipps, die das verhindern:
- Schau dir die Rückfahrverbindungen an, sobald du ankommst. Merk dir einfach zwei – den Zug, den du nehmen möchtest, und den Backup eine Stunde später.
- Nimm den frühestmöglichen Morgenzug. Der Unterschied zwischen einer Abfahrt um 8:00 und um 10:00 Uhr entspricht effektiv einem halben Tag – die meisten Sehenswürdigkeiten schließen um 17:00 Uhr.
- Prüfe die Öffnungszeiten für deinen konkreten Monat, nicht nur die allgemeine Website. Die meisten Türme und unterirdischen Sehenswürdigkeiten haben zwischen Oktober und März eingeschränkte Öffnungszeiten oder schließen vollständig.
- Plane maximal zwei große Attraktionen pro Tag. Mehr bedeutet meist Hetze – und der Ausflug macht keinen Spaß mehr.
- Fahre wenn möglich unter der Woche. Das macht vor allem bei Kutná Hora und Plzeň in der Hauptsaison einen Unterschied; in Pardubice oder Hradec Králové ist der Unterschied minimal.
- Reserviere einen Sitzplatz. Immer für die Expresszüge nach Plzeň und Pardubice; unbedingt auch für jeden Zug am Freitagnachmittag oder Sonntagabend. Beim Online-Kauf über die Website oder App des Anbieters ist die Reservierung im Ticketpreis inbegriffen.

Und noch eine Sache, die leicht übersehen wird: Der Bahnhof ist nicht das Zentrum. In Kutná Hora liegt er drei Kilometer entfernt; in Hradec Králové sind es 20 Minuten zu Fuß. Wer das von Anfang an einkalkuliert, erlebt keine böse Überraschung.
Wer über einen einzelnen Tag hinausdenkt, findet weitere Inspiration in unserem Guide darüber, wie man Tschechien richtig erlebt – von Wochenendtrips bis zu längeren Reisen durch das ganze Land.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der schnellste Tagesausflug von Prag mit dem Zug?
Poděbrady ist das nächstgelegene Ziel – der Krakonoš-Express vom Prager Hauptbahnhof braucht 46 Minuten, und der Bahnhof liegt direkt am Rand des Kurparks. Knapp dahinter folgen Pardubice (57 Minuten bis 1 Stunde per Express) und Tábor (genau eine Stunde).
Was kostet ein Zugticket für einen Tagesausflug von Prag?
Für die sieben Ziele in diesem Artikel liegen nicht flexible Tickets in der zweiten Klasse bei etwa 4 bis 8 € einfache Fahrt. Das günstigste Ziel ist Litoměřice (ab rund 4 €); das teuerste ist Pardubice (rund 8 €).
Kauf die Tickets immer online und am besten einige Tage im Voraus. Bis 15 Minuten vor Abfahrt ist eine kostenlose Stornierung möglich.
Bei welchen Zielen muss man umsteigen?
Von unseren sieben Zielen erfordert nur Litoměřice einen Umstieg – entweder in Lovosice in einen Regionalzug nach Litoměřice horní nádraží oder in Všetaty mit Ankunft in Litoměřice město. Die Gesamtreisezeit beträgt rund 85 Minuten.
Nach Kutná Hora fährt der Express direkt – aber nur bis zum Hauptbahnhof, der etwa drei Kilometer vom Zentrum entfernt liegt. Um zum Stadtbahnhof (Kutná Hora město) zu gelangen, steigt man in einen Anschlusszug um.
Tagesausflug von Prag: Zug oder Auto?
Mit dem Zug – für einen Stadtausflug eindeutig. Historische Altstädte sind entweder Fußgängerzonen oder kostenpflichtige Parkzonen, sodass du am Stadtrand parken und trotzdem laufen müsstest – und vom Bahnhof sind es meist nur 10 bis 20 Minuten zu Fuß. Mit dem Zug kannst du außerdem unbesorgt ein Bier in der Pilsner Urquell Brauerei oder ein Glas Wein in Litoměřice genießen.
Welcher Tagesausflug von Prag mit dem Zug eignet sich am besten für Familien mit Kleinkindern?
Poděbrady ist die beste Wahl. Die Fahrt dauert 46 Minuten, der Bahnhof liegt direkt neben dem Kurpark und alles in der Stadt ist flach und nah beieinander – mit einem Kinderwagen bestens zu bewältigen.
Plzeň ist eine starke zweite Wahl dank des Techmania Science Center, auch wenn die Fahrt 1 Stunde 20 Minuten dauert.
Welche Sehenswürdigkeiten sind bei diesen Tagesausflügen im Winter geschlossen?
Aussichtstürme und unterirdische Attraktionen haben von Oktober bis März oft eingeschränkte Öffnungszeiten. Das Alte Rathaus in Tábor ist in diesem Zeitraum nur mittwochs bis samstags geöffnet, der Kotnov-Turm schließt im Winter ganz. Der Historische Untergrund in Plzeň schließt den gesamten Januar. Prüfe die Öffnungszeiten immer für deinen konkreten Monat, bevor du losfährst.



