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Der Jakobsweg – Camino de Santiago – zieht jedes Jahr tausende Pilger an, die sich zu Fuß auf den Weg in die spanische Stadt Santiago de Compostela machen. Eine solche Pilgerreise erfordert jedoch eine gute Vorbereitung, und genau dabei hilft dir dieser Artikel. Was erwartet dich, und was solltest du einpacken?
Was ist der Camino de Santiago?
Der Camino de Santiago, also der Jakobsweg, ist eine über 1.000 Jahre alte Pilgerroute, die Gläubige zum Grab des heiligen Jakobus in Galizien, Spanien, führt. Mehrere Routen aus verschiedenen europäischen Ländern münden hier zusammen, doch die meisten Menschen laufen nur den spanischen (oder portugiesischen) Abschnitt. Im Jahr 2021 haben knapp 179.000 Menschen den Jakobsweg abgeschlossen.

Um offiziell als Pilger anerkannt zu werden, musst du mindestens die letzten 100 km zu Fuß zurücklegen (Radfahrer 200 km). Viele Christen gehen den Camino de Santiago noch immer hauptsächlich aus religiösen Gründen, doch mit seiner wachsenden Beliebtheit machen sich Menschen aller Religionen und Motivationen auf den Weg. Seit 1993 steht der Jakobsweg auf der UNESCO-Welterbeliste.
1. Wann solltest du den Jakobsweg gehen?
Da es sich um eine spirituelle Reise handelt, spielt es eigentlich keine große Rolle, wann du aufbrichst. Ein wesentlicher Teil jeder Pilgerreise – der Camino de Santiago bildet da keine Ausnahme – ist die Begegnung mit dir selbst.
Manche finden auf ein paar Tagen unterwegs Antworten auf ihre Lebensfragen, andere entwickeln eine neue Geschäftsidee, und wieder andere gewinnen neue Dankbarkeit für ihren Alltag.
Die meisten Pilger triffst du auf dem Jakobsweg während der Sommerferien. Wenn du von einer einsamen Pilgerreise voller Besinnung und ohne glühende Sonne träumst, solltest du einen anderen Zeitraum ins Auge fassen.
Du kannst Santiago das ganze Jahr über bereisen – bedenke aber, dass manche Pilgerherbergen im Winter geschlossen sind. Im Winter musst du außerdem mit wechselhafterem und kälterem Wetter rechnen, sodass dein Rucksack mit ein paar wärmeren Kleidungsstücken etwas schwerer wird.
Als ideale Reisezeiten für den Jakobsweg gelten Mai und Juni sowie September und Oktober. Du genießt angenehmes Wetter, im Frühling blüht alles um dich herum, du triffst genug Menschen, um dich anzuschließen (wenn du möchtest) – aber du hast trotzdem nicht das Gefühl, auf einer Autobahn unterwegs zu sein.
2. Welche Route solltest du wählen?
Mehrere Wege führen nach Santiago, und es liegt an dir, welchen du wählst und welchen Abschnitt du läufst. Wenn du den Willen, die Zeit und gute Beine hast, pack einfach deinen Rucksack, schlag die Tür zu und lauf von zu Hause aus direkt nach Santiago.
Hast du bei Reisen durch Frankreich oder Spanien (aber auch durch die Slowakei, Deutschland, die Schweiz oder Tschechien) neben den üblichen Touristenschildern das Jakobsmuschel-Symbol bemerkt? Wenn du diesen Markierungen des Jakobswegs immer weiter folgst, führen sie dich irgendwann direkt nach Santiago.
Die meisten Menschen wählen einen Abschnitt einer der spanischen Routen. Am stärksten frequentiert ist in der Regel der sogenannte Französische Weg. Du kannst aber auch vom Mittelmeer aus aufbrechen, entlang der Nordküste Spaniens wandern oder einen großen Teil des Weges durch Portugal zurücklegen.

Die häufigsten Jakobsweg-Routen nach Santiago de Compostela:
- Der Französische Weg (Camino Francés) ist die beliebteste und meistbegangene Route. Er misst rund 770 km – plane also mindestens einen Monat ein. Diese Route beginnt im französischen Städtchen Saint-Jean-Pied-de-Port in den Pyrenäen. Unterwegs erwartet dich eine abwechslungsreiche Landschaft: von Bergpanoramen in den Pyrenäen über Weinberge in der Region La Rioja bis hin zu grünen Hügeln in Galizien. Auf diesem Weg passierst du viele historische Städte wie Pamplona, Burgos und León, wo du dich erholen und in die lokale Kultur eintauchen kannst.
- Camino del Norte ist die zweitbeliebteste Route und führt dich durch den Norden Spaniens entlang der Atlantikküste. Auf dieser 784 km langen Pilgerreise wirst du atemberaubende Aussichten in Hülle und Fülle erleben. Der Weg führt durch malerische Küstendörfer und Städte wie San Sebastián, Bilbao und Santander, wo du die lokale Küche probieren und die Schönheit der Küstenlandschaft genießen kannst. Diese Route ist etwas anspruchsvoller als der Französische Weg, weil sie durch bergigeres Gelände führt – belohnt dich aber mit Ruhe und Küstenromantik.
- Camino Portugués gehört zu den kürzeren Routen. Obwohl er offiziell in Lissabon beginnt, starten die meisten Pilger erst ab der Stadt Porto (260 km). Diese Route ist ideal für alle, die die Jakobspilgerfahrt erleben möchten, aber nicht so viel Zeit haben. Sie führt durch wunderschöne portugiesische Städte wie Coimbra und Braga und überquert dann die Grenze ins spanische Galizien. Der Camino Portugués ist weniger stark besucht als der Französische Weg – perfekt für eine ruhigere Pilgerreise.
- Camino de Fisterra beginnt paradoxerweise genau dort, wo andere Routen enden – in Santiago de Compostela. Von der Kathedrale aus führt er dich zum Atlantischen Ozean, zu einem Ort, der als „das Ende der Welt“ bekannt ist. Diese Route ist ideal für Pilger, die ihre Reise verlängern und das Gefühl der Vollendung an der Atlantikküste erleben möchten. Der Camino de Fisterra ist kurz (rund 90 km), bietet aber atemberaubende Meeresblicke und ruhige Fischerstädtchen wie Muxía und Fisterra.

3. Wie lange dauert der Jakobsweg?
Wenn du nicht gerade die Pyrenäen überquerst, ist das Gelände nicht sehr anspruchsvoll, und 20 km pro Tag (oder etwas mehr) sollten kein Problem für dich sein. Die „obligatorischen“ 100 Kilometer kannst du damit in weniger als einer Woche zurücklegen.
Auf dem beliebtesten Französischen Weg läufst du fast durchgehend auf ebenem Boden – und statt eines romantischen Waldpfades im Schatten der Bäume solltest du dich eher auf einen asphaltierten Weg ohne Schatten einstellen.
4. Wo schläfst du auf dem Jakobsweg?
Um die Unterkunft auf dem Camino de Santiago musst du dir keine Sorgen machen. Alle 20 Kilometer oder so findest du eine Pilgerherberge, ein sogenanntes Albergue.
Etagenbetten mit Matratzen, Duschen und unterschiedlich ausgestattete Gemeinschaftsküchen erwarten dich. Plätze können nicht im Voraus reserviert werden; es gilt das Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“ Die Türen öffnen sich für Pilger gegen drei Uhr nachmittags, und selbst die hartnäckigsten Langschläfer müssen die Herberge bis acht Uhr morgens verlassen haben (in Portugal bis neun). In einer einzelnen Herberge kannst du nur eine Nacht bleiben, und du zahlst dafür rund 6 Euro.
Platzmangel in den Herbergen ist vor allem im Sommer ein Risiko; zu anderen Zeiten findest du normalerweise problemlos einen Schlafplatz. Entlang des Weges gibt es auch kleinere Pensionen, Hotels, Airbnb und Privatunterkünfte. Es findet sich immer etwas – lass das Zelt also wirklich zu Hause.
Wenn du aber nicht ohne einen Plan schlafen kannst, schau mal auf Booking.com vorbei und recherchiere ausgewählte Unterkünfte entlang der Strecke (und auch als Belohnung für dein Ankommen am Ziel).
5. Was ist der Credencial?
Der Credencial del Peregrino ist der offizielle Pilgerpass aus Papier, in dem du Stempel sammelst. Am Ende der Reise belegen diese, dass du tatsächlich mindestens die 100 km gelaufen bist, und berechtigen dich zum Empfang der „Compostela“ – des Diploms für die abgeschlossene Pilgerfahrt.
Der Credencial öffnet dir auch die Türen der Pilgerherbergen. Nicht so, dass du damit kostenlos übernachtest oder die Schlange vor der Herberge überspringen kannst. Besonders im Sommer kann es jedoch passieren, dass man dich ohne ihn nicht einlässt. Oder doch – aber erst, nachdem alle Pilger mit Ausweis untergebracht wurden. Im Winter, wenn kaum Pilger unterwegs sind, macht wahrscheinlich niemand ein großes Aufheben wegen des Passes.
Seit April 2016 solltest du die Compostela (das Abschlussdiplom) laut offiziellem Beschluss des Erzbistums Santiago de Compostela nur noch auf Basis eines von ihnen ausgestellten Credencials erhalten (früher konnten auch andere Institutionen ihn ausstellen).
Der Credencial kostet 2 Euro (oder du kannst mehr spenden) und lässt sich direkt in Spanien kaufen. Er wird an denselben Stellen verkauft, wo du dann auch Stempel sammelst. Das sind meistens Kirchen, Pilgerherbergen, aber auch manche Hostels oder Cafés.
Für Pilger, die ihre Reise außerhalb Spaniens beginnen, hat das Erzbistum eine Liste der Ausgabestellen veröffentlicht, wo der offizielle Credencial erhältlich ist.
6. Jakobsweg Packliste: Essen und Trinken
Der Französische Weg führt durch Dörfer und kleine Städtchen, sodass du problemlos in lokalen Läden (große Supermärkte gibt es kaum), Bistros oder Restaurants einkaufen kannst. Hunger droht dir eigentlich nur, wenn du die Siesta vergisst und dein Magen am Nachmittag knurrt, während ganz Spanien schläft.
Die Preise in den Läden sind vergleichbar mit denen in Mitteleuropa. Wenn du spanischen Jamón, Käse und Wein magst, wirst du bestimmt nicht hungern. Restaurants bieten außerdem ein sogenanntes „Menú Peregrino“ an: Für rund 10 Euro gibt es Vorspeise, Hauptgericht, Dessert und ein Getränk.
In manchen Herbergen kannst du selbst kochen, allerdings variiert die Küchenausstattung stark, und im Sommer sind viele Köche gleichzeitig am Werk.
Alle paar Kilometer findest du eine Trinkwasserquelle, sodass dein Rucksack auch durch Wasser kaum schwerer wird. Brunnen und Wasserstellen sind in den meisten Reiseführern eingezeichnet, die du unterwegs kaufen kannst.
7. Brauchst du eine Karte?
Der Jakobsweg ist gut ausgeschildert. Folge einfach der Jakobsmuschel – dem Symbol des Weges. Eine Karte brauchst du eigentlich nicht. Falls du trotzdem lieber mit einem Reiseführer unterwegs bist, sind Rough Guide und Lonely Planet eine gute Wahl.
Unsere liebste App Mapy.com leistet dabei hervorragende Dienste. Gib deine geplante Route in die Suche ein und sieh auf einen Blick alle wichtigen Punkte vor dir. Hier findest du zum Beispiel die meistgelaufene Route – den Französischen Weg.
8. Jakobsweg Packliste: Schuhe und Rucksack
Mindestens 100 km zu Fuß mit einem Rucksack auf dem Rücken warten auf dich – größtenteils auf einfachem, asphaltiertem Terrain. Die meisten Pilger empfehlen leichte Trekkingschuhe. In schweren Wanderstiefeln würden deine Füße auf dem Beton ganz schön leiden. Im Sommer wechseln viele zwischen Trekkingschuhen und Trekking-Sandalen ab, die du abends auch in den Herbergen tragen kannst. Manche Pilger brechen sogar mit ultraleichten Barfußschuhen wie Xero Shoes auf.
Was du einpackst, musst du auch tragen. Wenn du die kürzeste Variante wählst und im Tempo von 20 km pro Tag gehst, bist du in 5 Tagen fertig. Den meisten Platz wird wahrscheinlich dein Schlafsack beanspruchen.
Dazu ein paar Wechselklamotten, eine Trinkblase oder -flasche und etwas Platz für einen Snack. Wenn du keinen Unsinn mitschleppst, kommst du problemlos unter 10 Kilo – wahrscheinlich sogar deutlich darunter.
In jedem Fall lohnt es sich, die Wahl des Rucksacks nicht zu unterschätzen: Ein schlecht passender Rucksack erinnert dich bei jedem Schritt daran, wie viel Gewicht du trägst.
9. Was gehört noch auf die Packliste?
- Schlafsack für die Herberge. Die Isomatte kannst du zu Hause lassen – ein Etagenbett mit Matratze erwartet dich immer. (Achte auf möglichst kleine Schlafsäcke, die trotzdem warm halten.)
- Stirnlampe. Am besten mit Rotlicht – so blendest du nicht die halbe Herberge, wenn du nachts zur Toilette gehst.
- Ohrstöpsel. Es wäre ein Wunder, wenn in der Herberge niemand schnarcht…
- Wechselschuhe. Am besten Trekking-Sandalen. Du trägst sie in den Herbergen, und im Sommer kannst du sie mit deinen Trekkingschuhen abwechseln.
- Regenjacke. Für dich und deinen Rucksack. Besonders auf einer Winterpilgerfahrt kommt sie gelegen.
- Blasenpflaster.
- Trinkblase.
- Trekkingstöcke. Wenn du sie gewohnt bist, entlasten sie Rücken und Beine erheblich. Und jeder echte Pilger hat doch irgendwie einen Stab, oder?
- Kleidung. Wenn du „nur“ die 100 km läufst, brauchst du nicht viel. Und wenn du länger unterwegs bist, kannst du deine Sachen in der Herberge waschen und in der Sommersonne trocknen lassen. Planst du die Tour von Mai bis Oktober, pack leicht – mit größeren Wetterwechseln musst du kaum rechnen. Es sei denn, du gehst im Winter, wenn es regnen und kalt sein kann.
Außerhalb des Sommers solltest du schnelltrocknende, wärmende Kleidung tragen und einpacken. Möglicher Regen, feuchte Kälte und unbeheizte Herbergen strapazieren deine Ausdauer bereits genug – baumwollene Kleidung, die feucht wird und nicht richtig wärmt, macht die Reise nur unnötig schwerer. - Eine geeignete Zahlungskarte. Die Konditionen vieler Banken sind im Ausland wenig vorteilhaft – oft versteckt sich der Aufschlag im Wechselkurs statt in offenen Gebühren. Ich empfehle die Revolut-Reisekarte.
Vergiss auf keinen Fall eine gute Reiseversicherung. Deine blaue europäische Krankenversicherungskarte öffnet dir zwar die Türen aller Kliniken und Krankenhäuser in der EU, deckt aber nur die grundlegende Akutbehandlung ab. Wenn du wirklich auf der sicheren Seite sein willst, greif zur Versicherung von Reisenden für Reisende – True Traveller.
Weitere Pilgerrouten in der Welt
Der Jakobsweg ist sehr beliebt und – was das Gelände betrifft – vergleichsweise leicht. Daher ist auch Kritik zu hören: saisonale Überfüllung, eintöniges Terrain (keine Bergpanoramen), fehlender Schatten oder lange Wartezeiten auf das Abschlussdiplom in der Hochsaison.
Diese Nachteile kannst du umgehen, indem du außerhalb der Saison aufbrichst oder eine andere Route wählst – zum Beispiel den Camino del Norte, der dich entlang der spanischen Küste führt und wo du deutlich weniger Mitpilger antriffst.
Die Tradition der Pilgerwege findet sich aber auf der ganzen Welt. In Europa führt dich die Via Francigena nach Rom, in Norwegen kannst du den Olavsweg (St. Olav’s Way) begehen, und weitere Pilgerwege gibt es in Großbritannien, Österreich oder Frankreich.
In Japan kannst du auf dem Kumano Kodō in die Fußstapfen der alten Pilger treten, in Sri Lanka erklimmen Pilger die Treppe zum Adams Peak (Sri Pada). Mekka ist ebenfalls ein bedeutendes Pilgerziel. Und auch hierzulande gibt es eine lebendige Pilgertradition – in Deutschland etwa auf dem Jakobsweg selbst, und im benachbarten Ausland z. B. nach Velehrad oder Hostýn.










